Der Kunst­preis­trä­ger des Land­krei­ses Augsburg

2012 — Harry Meyer

Har­ry Mey­er | Malerei

Das Flüstern des Universums

„Die Arbeits­stät­te des Künstlers“

Wen­det sich der Neu­gie­ri­ge an die ver­meint­lich all­wis­sen­den Such­ma­schi­nen im Inter­net, erhält er auf die Fra­ge, was ein Ate­lier sei, als ers­tes die oben in der über­schrift ver­wen­de­te Defi­ni­ti­on. Gräbt er ein biss­chen tie­fer, erfährt er, dass das Wort aus dem Fran­zö­si­schen stam­me – bedeu­tet: ursprüng­lich aus dem Latei­ni­schen – und die Werk­statt des Zim­mer­manns bezeich­net habe, wo beim Hobeln Spä­ne fal­len: „astel­la“, der Span, hat sich im Gang der Zei­ten zum „Ate­lier“ gewan­delt. – Nichts Welt­be­we­gen­des also, jeden­falls nicht bis hierher.

Har­ry Mey­er ist Künst­ler; Maler, genau­er gesagt, und auch er arbei­tet in einem Ate­lier. Sein Ate­lier ist ein ehe­ma­li­ges Dorf­schul­haus, erbaut im Jah­re 1865. – Eine inter­es­san­te Wen­dung, ist eine Schu­le doch ein Ort der Leh­re, im Ide­al­fall ein Raum für die Wei­ter­ga­be und Wei­ter­ent­wick­lung von Wis­sen und Tra­di­ti­on, von Bil­dung im bes­ten Verständnis.

Spricht man mit Har­ry Mey­er, so wird deut­lich, dass in sei­nem Ate­lier der Geist der Ver­gan­gen­heit und die Aura derer, die es frü­her ein­mal im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes „beleb­ten“, noch immer spür­bar ist. Zur Ruhe kom­men, den Gedan­ken der Gewe­se­nen lau­schen und die­se, zusam­men mit den eige­nen Erkennt­nis­sen über die Welt, in sein Werk ein­zu­brin­gen, dies ver­mag der Künst­ler in „sei­nem“ Atelier.

Dass Har­ry Mey­er dem Flüs­tern des Uni­ver­sums so inten­siv zuhö­ren kann, dass er das Wir­ken der kos­mi­schen Ener­gie, das Wesen von Mensch und Natur, des ewi­gen Kreis­laufs alles Leben­di­gen, gera­de­zu greif­bar in sein künst­le­ri­sches Schaf­fen ein­flicht, hat eine wei­te­re, essen­ti­el­le Ursa­che: sein Ate­lier hat einen Garten!

Der Gar­ten sei ein umschlos­se­ner Ort, dazu bestimmt, das Bes­te zu schüt­zen: Pflan­zen, Ideen und den Boden, wor­in bei­de wur­zeln. Die­se Beur­tei­lung des fran­zö­si­schen Bota­ni­kers und Land­schafts­ar­chi­tek­ten Gil­les Clé­ment, für den alle Men­schen Bewoh­ner eines ein­zi­gen Gar­tens sind, näm­lich der Erde, mani­fes­tiert, wor­in für Har­ry Mey­er die Bedeu­tung „sei­nes“ Ate­liers und „sei­nes“ Gar­tens lie­gen: das ruhi­ge, das in sich ruhen­de Ver­wei­len unter dem hun­dert­jäh­ri­gen Apfel­baum, fokus­siert den Geist des Künst­lers auf den ewi­gen Rhyth­mus des Daseins und die Ein­heit aller Din­ge. In die­sem Ver­ständ­nis ist das Erin­nern an das Gewe­se­ne kein Ver­lust der Zukunft, son­dern eine Gestal­tung der­sel­ben, eine akti­ve Teilhabe.

Man kann es auch mit Kon­fu­zi­us aus­drü­cken: „Wer einen Baum pflanzt, wird den Him­mel gewinnen.“

Bri­git­te Herpich

Vita

1960: in Neu­markt gebo­ren
1988–1993: Stu­di­um der Archi­tek­tur, Diplomabschluss

Prei­se und Stipendien:

1986: Sym­po­si­um Gundelfingen

1992: Schwä­bi­scher Kunstpreis

1993: Kunst­för­der­preis für Male­rei der Stadt Augsburg

1994: Meis­ter­kurs „Art in Archi­tec­tu­re“ bei Frank Stella

1996: Arbeits­sti­pen­di­um Künst­ler­bahn­hof Ebernburg

1997: Arbeits­sti­pen­di­um der Stif­tung Kulturfonds/Berlin/Künstlerhaus Ahrenshoop

1998: Kunst­preis Aichach

1999: Aner­ken­nungs­preis der Nürn­ber­ger Nach­rich­ten, Kunst­preis Dillingen

2000: Kunst­preis der Stadt Lim­burg, Kunst­preis der Nürn­ber­ger Nachrichten

2001: Helen-Abbott-För­der­preis für Bil­den­de Kunst, Ber­lin – New York

2002: Kunst­preis der Stadt Donau­wörth Ate­lier­för­de­rung des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums Bay­ern (bis 2004)

2003: Lucas-Cra­nach-Preis der Cra­nach-Stif­tung, Wittenberg

2004: Arbeits­sti­pen­di­um der Stadt Wertingen

2005: Gast­pro­fes­sur für Male­rei in Pen­ti­ment Hoch­schu­le für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten, Hamburg

2006: Son­der­preis zum Kunst­preis der Nürn­ber­ger Nachrichten

2012: Kunst­preis des Land­krei­ses Augsburg

2015: Sym­po­si­um Betzigau

2015: Kul­tur­preis der Stadt Neumarkt

Weitere Informationen

www.harrymeyermalerei.de  

Der Kunst­preis des Land­krei­ses Augsburg

Weitere Preisträger

Hier fin­den Sie wei­te­re, mit dem Kunst­preis des Land­krei­ses Augs­burg aus­ge­zeich­ne­te, Küns­tele­rin­nen und Künst­lern aus den Berei­chen Musik, dar­stel­len­de Kunst, Bel­le­tris­tik sowie bil­den­de Kunst zwei­di­men­sio­nal und dreidimensional.

2019 – Johannes Ochsenbauer

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2014 — Bruno Weil

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2013 — Wolfgang Schenk

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