Die Kunst­preis­trä­ge­rin des Land­krei­ses Augsburg

2022 – Erika Kassnel-Henneberg

Eri­ka Kass­nel-Hen­ne­berg | Bil­den­de Kunst zweidimensional

Der Zweifel der Erinnerung

Im Jahr 2022 hat die Jury des Kunst­prei­ses des Land­krei­ses Augs­burg ein­stim­mig die bei­den Künst­le­rin­nen Eri­ka Kass­nel-Hen­ne­berg und Andrea Sand­ner als Preis­trä­ge­rin­nen ausgewählt.

Grund für die Ent­schei­dung waren die hohe künst­le­ri­sche Qua­li­tät wie gleich­zei­ti­ge Nicht­ver­gleich­bar­keit der sehr unter­schied­li­chen Ansät­ze und Kon­zep­tio­nen bei­der Künstlerinnen.

Aus­zug aus der Lau­da­tio von Mecht­hild Mül­ler-Hen­nig, Har­ry Mey­er und Tho­mas Elsen zum Werk von Eri­ka Kassnel-Henneberg:

Die Medi­en von Eri­ka Kass­nel-Hen­ne­berg sind Col­la­ge, Foto­gra­fie und Video. Die Inhal­te ihrer Arbei­ten krei­sen um eige­ne wie gefun­de­ne Erin­ne­run­gen und deren künst­le­ri­sche Refle­xi­on. Im Mit­tel­punkt ihres Inter­es­ses steht stets der Mensch mit sei­ner sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mung und sei­ner Fähig­keit sich zu erin­nern, zu ver­ges­sen, zu asso­zi­ie­ren und bewusst oder unbe­wusst sei­ne je eige­ne Uto­pie zu erschaf­fen. Dabei cha­rak­te­ri­siert die Künst­le­rin das Ver­ges­sen als eine Fähig­keit, nicht als Man­ko. Die­sen ihr eige­nen Ansatz bet­tet sie zugleich in eine erwei­ter­te, exis­ten­zi­el­le Fra­ge­stel­lung ein. „Heu­te wis­sen wir, dass Erin­ne­rung weder wahr, noch objek­tiv, noch voll­stän­dig ist. Wir legen Spu­ren, sam­meln Doku­men­te und Foto­gra­fien, und archi­vie­ren die­se. Ich sehe dar­in einen exis­ten­zi­el­len Zwei­fel: Wer bin ich wirk­lich, wenn ich mei­nem und dem Gedächt­nis ande­rer nicht trau­en kann? Wenn ich kei­ne Spu­ren hin­ter­las­se, habe ich dann jemals existiert?“ 

Schon in ihren frü­he­ren Col­la­ge­ar­bei­ten, die von hoher ästhe­ti­scher Qua­li­tät sind, und von sen­si­blem Umgang mit den ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en zeu­gen, spie­gelt sich die Aus­ein­an­der­set­zung mit der eige­nen Geschich­te wie­der. Als Betrach­ten­de fin­den wir in die­sen aus Zeich­nung, Frot­ta­ge, diver­sen Papie­ren, Fotos und Wachs zusam­men­ge­füg­ten künst­le­ri­schen Bil­dern immer wie­der ein grund­sätz­li­ches Nach­den­ken über das Wesen von Erin­ne­rung. Dies zeigt sich auch in den Pola­roids der Künst­le­rin, die eine kon­zen­trier­te, eige­ne Werk­grup­pe dar­stel­len. Tech­ni­sche Beob­ach­tun­gen (z.B. des „Rau­schens“ als einer phy­si­ka­li­schen Grö­ße) schla­gen sich hier in eige­nen ästhe­ti­schen Ent­wür­fen nie­der: „Die Pola­roid­ka­me­ra macht Erin­ne­rung sicht­bar. Sie hat einen sub­jek­ti­ven und feh­ler­haf­ten Blick auf die Welt. In ihr rauscht die Gegen­wart und hin­ter­lässt einen vagen Blick auf Ver­gan­ge­nes“. Die­sen fin­den wir auch in den expe­ri­men­tel­len Video­ar­bei­ten, die bei aller tech­ni­schen Raf­fi­nes­se manch­mal fast wie beweg­te, ver­bli­che­ne Bil­der aus einem Fami­li­en­al­bum ver­gan­ge­ner Tage wirken.

Porträt Erika Kassnel-Henneberg

VITA

1973: gebo­ren in Timișoa­ra, Rumänien

1978: Fami­lie wan­dert nach Deutsch­land aus

1993 – 1996: Leh­re als Ver­gol­de­rin / Fassmalerin

1996 – 1999: Aus­bil­dung zur Restau­ra­to­rin in Nyköping, Schweden

1999 – 2003:  Diplom­stu­di­um der Kon­ser­vie­rung und Restau­rie­rung an der Hoch­schu­le der Küns­te Bern, Schweiz

Seit 2010: frei­schaf­fend künst­le­risch tätig

2016 – 2020: Bache­lor­stu­di­um Inter­ak­ti­ve Medi­en an der Hoch­schu­le Augsburg

Seit 2022: Lehr­be­auf­trag­te der Fakul­tät für Gestal­tung, Hoch­schu­le Augsburg

AUSZEICHNUNGEN:

2013: Kunst­preis der Stadt Krum­bach für Hei­mat ist Anders­wo, 2013, Foto­al­bum, ver­schie­de­ne Papie­re, 34 x 21 x 6 cm 

2014: SPAR­DA-Inno­va­ti­ons­preis für kul­tu­rel­le Bil­dungs­pro­jek­te, Pro­jekt­sti­pen­di­um des BMBF 

2016: Gewin­ne­rin im Wett­be­werb für das Design einer Ehren­me­dail­le des Sports im Land­kreis Augsburg

2022: Kunst­preis des Land­krei­ses Augsburg

WEITERE INFORMATIONEN

Der Kunst­preis des Land­krei­ses Augsburg

Weitere Preisträger

Hier fin­den Sie wei­te­re, mit dem Kunst­preis des Land­krei­ses Augs­burg aus­ge­zeich­ne­te, Küns­tele­rin­nen und Künst­lern aus den Berei­chen Musik, dar­stel­len­de Kunst, Bel­le­tris­tik sowie bil­den­de Kunst zwei­di­men­sio­nal und dreidimensional.

2021 — Wolfgang Minaty

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2018 – Keiyona Constanze Stumpf

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2017 – Jan Walter Junghanss

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2016 — Prof. Dr. med. Michael Lichtwarck-Aschoff

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